Natalie Junge Corona Ferien

Corona macht mich fertig!

So kommen Freiberufler, Solo-Selbständige und kleine Unternehmen durch die Corona-Pandemie

Es mag ein unsensibler Zeitpunkt sein, über Krisenmanagement und Vorsorge für Künstler und andere selbständig Tätige zu sprechen, jetzt wo wegen Corona reihenweise Veranstaltungen abgesagt werden, Menschen in Quarantäne müssen, und einige in echte finanzielle Nöte geraten. Aber leider hören Menschen ja meistens erst zu, wenn ihnen das Wasser schon bis zum Hals steht. „Krisenmanagement ist nur für große Unternehmen, kann ich mir nicht leisten, brauch ich nicht.“ Und richtig ist, dass es Ressourcen kostet, Zeit und Geld, sich mal einen Tag oder zwei aus dem Tagesgeschäft zu ziehen und darüber nachzudenken, was alles schief gehen kann im Leben, und wie man dagegen abgesichert ist. Für viele ist der einzige Ansprechpartner dazu ihr Versicherungsmakler.

Dabei gibt es – neben den richtigen Versicherungen – noch einiges, was du selbst tun kannst, um dich auf Situationen vorzubereiten, in denen du nicht arbeiten kannst. Wobei auch klar ist: Die meisten Notfälle sind regional begrenzt und von kurzer Dauer, wenn z.B. das Theater abbrennt oder du eine Grippe hast. Eine Situation wie bei der aktuellen Corona-Pandemie, wo möglicherweise über Wochen in allen Teilen des Landes Veranstaltungen verschoben oder abgesagt werden, bringt früher oder später wohl jeden an seine Grenzen.

Krisenmanagement in 4 Schritten

Ein einfaches Modell für die Notfallplanung und das eigene Krisenmanagement besteht aus den folgenden 4 Schritten:

1 Risiko-Analyse:

Dazu gehört die Erfassung aller bestehenden Risiken sowie eine Bewertung, wie wahrscheinlich das Risiko ist und welchen Schaden es anrichten würde, wenn es eintrifft. Da schauen wir sehr umfassend auf deine Situation, z.B.: Welche Risiken birgt deine Arbeit / unternehmerische Tätigkeit? Wo bist du tätig, welche Umweltfaktoren spielen eine Rolle? Welche persönlichen Risikofaktoren gibt es, von wem bist du abhängig?

Krisenmanagement in 4 Schritten

Eine Pandemie wie die derzeitige ist z.B. gar nicht so unwahrscheinlich, wird aber von den meisten nicht ernst genommen. Dabei können ihre Auswirkungen massiv sein, wie wir gerade erleben.

Eine eigene kurzzeitige Erkrankung dagegen ist sehr wahrscheinlich, aber eher kein existenzielles Risiko. Doch was wäre bei einer depressiven Episode?

Andere Risiken aus meiner eigenen Analyse sind z.B.: Erkrankte Familienmitglieder, Verkehrsunfälle, Chemie-Unfall oder Brand in benachbarter Industrie, Extremwetter. In einer strukturierten Analyse gehen wir durch verschiedene Risiko-Kategorien und schauen: Was ist wahrscheinlich, was eher nicht? Was macht dir Angst (evtl. auch ganz unabhängig von der realen Gefahr), was ist dir wurscht? Welche Risiken willst du in deiner Notfallplanung berücksichtigen und bei welchen wäre es unwirtschaftlich oder zu aufwändig, Maßnahmen zu ergreifen?

2 Vorbeugung / Vorsorge:

Wenn du deine Risiken kennst und eingeschätzt hast, können wir schauen, wie du dein Risiko senken kannst. Für Unternehmen gehört dazu das Einhalten von Sicherheitsbestimmungen, das Erstellen von Notfallplänen und regelmäßige Notfall-Übungen. Die Details hängen natürlich vom Ergebnis der Risiko-Analyse und den gesetzlichen Vorgaben ab.

Jeder Selbständige muss sich aber mit der Frage beschäftigen: Wovon bestreiten wir unsere Ausgaben, wenn Umsätze wegbrechen, und wovon ernähre ich meine Familie? Um einen Notfall-Topf anzulegen, dürfte es aktuell zu spät sein, aber das ist für die nächste Runde deine erste Aufgabe. Die Frage, wie im Ernstfall wegbrechende Umsätze aufgefangen werden und welche Kosten eingespart werden können, ohne die Selbständigkeit insgesamt zu gefährden, sollte man im Vorfeld klären.

3 Reaktion / In der Krise:

Wir befinden uns am fortgeschrittenen Beginn einer Pandemie. Aus China und Italien wissen wir, wie stark der Coronavirus das öffentliche Leben einschränken kann. Da eine Pandemie zu den Krisen gehört, die sich langsam entwickeln, haben wir etwas Zeit zu reagieren. Wie gesagt, finanzielle Vorsorge wird jetzt schwer. Aber das Aufstocken der Vorräte, das Auffrischen sinnvoller Impfungen oder die Überlegung, wie du die Zeit mit eingeschränkter Auftragslage nutzen kannst, sind jetzt noch möglich.

Eine Sache ist mir wichtig: Wenn du denkst, dass dich die aktuellen Entwicklungen in die Pleite und / oder Arbeitslosigkeit führen könnten, dann hab keinen falschen Stolz: Stell Anträge auf Wohngeld oder Arbeitslosengeld II frühzeitig – ich sag mal, solange die Sachbearbeiter in den Ämtern noch nicht krank sind! Für den Bezug beider Leistungen muss man nicht arbeitslos sein, sondern „nur“ bedürftig, du brauchst also deine Selbständigkeit nicht aufzugeben. Allerdings dauert die Bearbeitung von Anträgen auch gerne mal länger, also warte nicht zu lange damit, wenn es nötig wird. So ätzend, wie es sich anfühlt: Das ist eine Möglichkeit, mit dieser Notlage umzugehen!

4 Erholung & Wiederaufbau:

Irgendwann wird auch diese Krise vorbei sein. Und dann erwarten wir in der Regel, dass wir sofort da weitermachen können, wo wir unterbrochen wurden. Aber lass dir Zeit!

Je nach Gemüt hat dich die drohende Gefahr – unabhängig von Statistiken – auch mental beeindruckt. Je nachdem, wie schlimm es wird, hast du jemanden verloren, gepflegt oder warst selber krank. Oder warst über Wochen weitgehend alleine. Lass dir Zeit, wieder gesund zu werden, geistig und körperlich. Nimm dir Zeit zu trauern, falls das nötig ist – was wir alle nicht hoffen wollen.

Nutze die Zeit danach aber auch, um zu überlegen: Was war eigentlich gut an dieser Zwangspause? Habe ich neue Seiten an mir entdeckt? Zeit für meine Familie gefunden, wie ich es mir sonst immer nur vornehme? Endlich das Buch fertig geschrieben oder das Regal mit den ungelesenen Büchern abgearbeitet? Gibt es etwas, das ich beibehalten möchte? Und was lerne ich aus dieser Krise für meine Vorsorge, damit ich nächstes Mal weniger unvorbereitet getroffen werde und (noch) besser da durchkomme?

Welche Veränderungen willst du in deinen Abläufen vornehmen? Wann nimmst du dir die Zeit, um für deine Firma einen Notfallplan zu entwickeln?

5 Möglichkeiten, die Corona-Ferien sinnvoll zu nutzen – und eine nicht so sinnvolle

Wir können an der Tatsache, dass wir Einbußen erfahren werden, eh nichts ändern. Um die Infektionen zeitlich so zu strecken, dass unsere Krankenhäuser, Ärzte, Pfleger und andere Helfer die Pandemie bewältigen können, müssen wir unser Verhalten anpassen, und das geht auf die Umsätze derer, die unseren Konsum – vor allem von Dienstleistungen – sonst ermöglichen. In meinem Umfeld sind viele Künstler, Autoren und Gastronomen, und ihr gehört eben nicht zu denen, die die Bundesregierung meint, wenn sie Konjunkturpakete schürt. That sucks. Ich berate auch euch gern zum Thema Umgang mit kritischen Situationen aller Art, aber ich weiß, dass ihr aktuell andere Sorgen habt. Deshalb hier meine 5 persönlichen Favoriten, um Zwangspausen zu nutzen (in keiner speziellen Reihenfolge):

1 Urlaub vorziehen

Klingt langweilig, weil du nicht wegfahren kannst. Aber man kann auch mal zuhause Urlaub machen. Und ja, auch Selbständige müssen mal pausieren! Wenn du also sowieso nicht arbeiten gehen kannst, und schon Urlaub terminiert hast, nimm deinen Kalender, streiche den Urlaub später im Jahr, um dann deine abgesagten Termine nachzuholen, wenn möglich, und entscheide dich für Entspannung jetzt. Natürlich würdest du lieber coole Sachen unternehmen als jeden Tag lange zu schlafen, weil dir zuhause die Decke auf den Kopf fällt. Urlaub vorzuziehen bedeutet vor allem, dass du den später geplanten Urlaub ausfallen lässt, um die aktuellen Umsatzeinbußen aufzufangen, wenn die Krise vorüber ist. Und nicht ständig zu denken „Mist, ich müsste eigentlich…“. Du musst gar nichts, du hast Urlaub.

2 Ein Buch (fertig) schreiben

Oder Bewerbungen. Einen Blog anfangen. Das nächste Bühnenprogramm fertig stellen. Die angefangenen Projekte sortieren und ausmisten, was du sowieso nie vollenden wirst. Jeder von uns hat Ideen für den Fall, dass er nie wieder arbeiten muss. Wenn du nicht arbeiten kannst, weil du dein Publikum und deine Familie vor einer Infektion mit Corona schützen willst / sollst, welche Projekte kannst du dann in der Zeit vorantreiben?

3 Teile deiner Arbeit digitalisieren

Es kann natürlich (bitte) nicht jeder ein E-Book darüber schreiben, wie er die Corona-Pandemie genutzt hat, um endlich reich zu werden (Oh man, ich sehe die Facebook Ads schon vor mir!). Aber prüfe deine Produkte und deine Dienstleistung mal darauf, welche Möglichkeiten dir die Digitalisierung bietet, die du noch nicht nutzt. Gianna Nannini gibt ein Konzert vor ihrer Webcam. Bücher werden planmäßig veröffentlicht, sie können nur nicht mit einer Buchtour beworben werden. Auf Twitter haben Kollegen unter den Hashtags #Buecherhamstern und #sbm20 schon angefangen, Autoren zu empfehlen, die wegen abgesagter Buchmessen und Lesetouren ihre Werke nicht analog bewerben können.

Wolltest du schon immer einen Youtube-Channel starten, um deine Fachkenntnisse einem breiteren Publikum zugänglich zu machen? Dann ab vor die Kamera!

4 Etwas Neues lernen

Dank des Internets haben wir so viel Zugang zu Lernangeboten, wie noch nie zuvor. Vieles davon kostenlos oder zu sehr günstigen Preisen. Du kannst eine neue Sprache lernen, programmieren, rausfinden, was genau Data Science eigentlich ist; mittlerweile kann man sogar ganze Hochschulabschlüsse vom heimischen Sofa aus absolvieren! Schau dich um und gib deinem Hirn Futter! Aus gebenem Anlass kannst du auch Statistik-Kurse belegen um besser zu verstehen, warum dieser neuartige Corona-Virus sich so schnell ausbreitet und es klug sein könnte, zuhause zu bleiben.

5 Digital Detox

Offline gehen. Schweige-Urlaub. Meditations-Marathon. Das geht natürlich deutlich besser, wenn man nicht mit seiner Familie in Quarantäne ist. Aber du darfst ja raus in die freie Natur, du sollst nur den Kontakt zu Menschen einschränken. Also keine Ablenkung durch Medien. Nicht auf Twitter oder Facebook gehen, da sind gerade alle unterwegs, die ebenfalls zuhause bleiben müssen! Einfach mal heimkommen zu sich selbst. In sich hineinhören. Die Stille genießen.

Plus 1: Neftlix & Chill!

Endlich mal ohne schlechtes Gewissen alle Staffeln deiner Lieblingsserie NOCHMAL gucken. Schlafen, wenn dir die Augen zufallen. Aufwachen, weil man Pipi muss. Wie früher, als das Leben noch mehr Rock ‚n‘ Roll war, nur eben mit Zimmerarrest.

Mittlerweile gibt es Erklärungen aus der Bundesregierung, dass auch die Situation von Kulturbetrieben und Künstler*innen berücksichtigt werden soll, wenn staatliche Hilfen im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie vereinbart werden. Das wäre sehr wünschenswert. Falls ihr euch darauf nicht verlassen wollt, gibt es hier eine Petition, die genau das fordert.

An alle, die bis hierher gelesen haben und nicht zum betroffenen Personenkreis gehören: Unterstützt Künstler, deren Events abgesagt wurden. Kauft ihre CDs, Bücher und Merchandise-Produkte in Vorfreude auf die Nachholtermine. Sprecht mit euren Dienstleistern, was derzeit geht oder nicht, und ab wann es wieder Termine gibt. Wenn ihr könnt, bezahlt den August-Termin im Voraus, kauft Zehnerkarten für nach der Corona-Pandemie. So können wir ihre Verdienstausfälle nicht ausgleichen, aber wie die Infektionsfälle ein wenig strecken. #FlattenTheCurve

Kommt gut durch die Coronaferien und bleibt gesund!

Wenn du die Zeit doch nutzen möchtest, um dich mal mit deiner Notfallplanung zu beschäftigen, schick mir eine Anfrage per Email oder buch direkt einen Beratungstermin.

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