Risiko-Analyse Natalie Junge

Deine persönliche Risiko-Analyse

Bevor du mit der Krisen-Vorbereitung beginnst, musst du dir zunächst darüber klar werden, welchen Risiken du tatsächlich ausgesetzt bist, wie hoch die Wahrscheinlichkeit dafür ist und was ein Ereignis ggfs. für dich bedeuten würde. Eine Risiko-Analyse ist sehr individuell, da neben den objektiven Risiken, die für alle Menschen in deinem Ort oder deiner Region relativ ähnlich sein dürften, auch immer eine Rolle spielt, wie verwundbar oder risikofreudig man selbst ist. Wer an einem Beatmungsgerät hängt, für den ist ein Stromausfall schneller ein Problem als für jemanden, der gern Brettspiele spielt und Brot isst. Deine Risiko-Analyse ist also DEINE Analyse. Schau genau hin. Wahrscheinlich entdeckst du Dinge, über die du vorher noch nie nachgedacht hast. Aber an anderer Stelle wird dir dafür klar, dass es keinen Grund zur Sorge gibt.

Die persönliche Risiko-Analyse betrifft folgende Bereiche:

  • Natürliche Umgebung
  • Klima / Wetter
  • Infrastruktur
  • Industrie
  • Krieg / Terror
  • Gesundheitsgefahren
  • Gefahren im persönlichen Bereich

Die Reihenfolge hat keine Bedeutung. Wir arbeiten uns lediglich von außen immer näher an dich heran. Überlege bei jedem Punkt: Wie ist das hier / bei mir? Gibt es diesen Risikofaktor? Was kann passieren? Wie wahrscheinlich ist das? Würde mich das direkt betreffen (z.B. als akute Gefährdung deiner Gesundheit) oder eher indirekt (z.B. durch Ausfall von Verkehrsverbindungen)?

Wenn du dich regelmäßig an mehreren Orten aufhältst, z.B. im Büro oder auf Reisen, kann es sinnvoll sein, die Risiko-Analyse für jeden Ort durchzuführen. Beginne aber heute mit deinem Wohnort, wo du dich normalerweise am meisten aufhältst. Deine Checkliste für die persönliche Risiko-Analyse kannst du hier herunterladen:

Mögliche Risiken

Natürliche Umwelt / Geologie

Zuerst schauen wir auf das Gelände, in dem du lebst. Ist es eher flach oder im Gebirge? Ist das Gebirge stabil oder kommt es zu Abbrüchen, Erdrutschen etc.? Lebst du an der Küste oder im Binnenland? Stadt oder Dorf? Gibt es Seen und Flüsse? Wenn es Überschwemmungen gibt: Sind die eher schnell und heftig, wie eine Sturmflut an der Küste, oder bauen sie sich langsam auf und bleiben dann tagelang stehen, wie an manchen Flüssen in den letzten Jahren? Wo sind die planmäßigen Überschwemmungsgebiete? Gibt es seismische Aktivität wie Vulkane und Erdbeben, in Küstennähe ggfs. Seebeben / Tsunamis? Seismische Aktivität kann auch Folge von Bergbau sein, streng genommen kein natürliches Phänomen, aber evtl. bedenkenswert. Sind in deiner Region schon mal Senklöcher aufgetreten?

Klima / Wetter

Wie ist das Klima insgesamt? Welche saisonalen Schwankungen sind normal und erwartbar? Verstärken sich Phänomene, z.B. Trockenheit und Wind, gegenseitig? Dies kann zu Sandstürmen und Bränden führen. Kommt es zu extremen Wetter-Ereignissen wie Tornados, Starkregen, Blitzeis oder Orkanen? Niederschlag kann in seinen unterschiedlichen Formen sehr unterschiedliche Probleme bereiten. Viel Schnee bringt Gewicht auf Dächer und Hänge und kann zu Einstürzen und Lawinen führen. Viel Regen dagegen kann in kürzester Zeit Straßen unbefahrbar machen und Gewässer über die Ufer treten lassen.

Infrastruktur

Contaminated Rio Doce Water Flows into the Atlantic
Nach dem Dammbruch der Firma Vale fließt
kontaminiertes Wasser in den Atlantik
(c) Gunnar Ries zwo

Alles, was Güter und Menschen bewegt: Die Bahn, Häfen, Flughäfen, Stationen und Strecken. Hier können jederzeit Unfälle passieren. Selbst wenn du nicht direkt beteiligt bist, kann ein Unfall das Verkehrsmittel für eine gewisse Zeit lahmlegen. Gefahrgüter werden transportiert und die Gefahrstoffe können bei einem Unfall freigesetzt werden. Auch Energie- und Kommunikationsinfrastruktur kannst du hier berücksichtigen, z. B. die Nähe von Sperrwerken oder Staudämmen.

Industrie

Auch die anderen Unternehmen an deinem Ort, ob formal der Industrie zugeordnet oder nicht, solltest du bedenken. In der Produktion oder im Dienstleistungsbereich können Unfälle passieren, bei denen Anwohner zu Schaden kommen. Eine hohe Dichte an Industrie-Unternehmen geht meist mit einer ebenfalls hohen Dichte an Transportwegen einher. Durch das Wachstum von Städten und / oder Unternehmen rücken Wohngebiete, Werksgelände und Ställe oft näher aneinander heran, was das Risiko erhöht, bei einem Unfall direkt betroffen zu sein. Wie weit von dir entfernt ist das nächste Kernkraftwerk? Eine Übersichtskarte über die Gefahrenzonen rund um die Kernkraftwerke in Deutschland findest zu zum Beispiel hier.

Krieg / Terror

Gehört objektiv sicher zu den unwahrscheinlichsten Ereignissen für uns. Trotzdem haben viele Angst, und auch unwahrscheinliche Ereignisse können eintreten. Außerdem bist du womöglich in Teilen der Welt unterwegs, in denen das Risiko deutlich höher ist. Das wahrscheinlichste Szenario dieser Kategorie dürfte in Deutschland aber sein, dass bei Bauarbeiten oder Wasser-Tiefstand in einem Fluss ein Blindgänger aus dem 2. Weltkrieg gefunden wird und du wegen der Entschärfung aus deiner Wohnung evakuiert wirst.

Andere Gesundheitsgefahren

Neben all den Schäden, die du nehmen kannst, wenn etwas aus den vorher genannten Risikogruppen passiert, kommen hier vor allem Epidemien und Pandemien in Betracht. Dabei handelt es sich um begrenzte oder eben nicht so begrenzte Ausbrüche von Infektionskrankheiten. Erreger können absichtlich oder unabsichtlich freigesetzt werden, normalerweise breitet sich aber eine endemische (natürlich vorkommende) Krankheit plötzlich vermehrt aus. Über die verschiedenen Verkehrswege können in unserer vernetzten Welt Krankheiten in wenigen Tagen von einem Ende der Welt ans andere gelangen. Kennst du Plague?

Alle möglichen anderen Gefahrenstoffe, biologische, chemische und physikalische, können sowohl natürlich vorkommen als auch bei einem Unglück oder absichtlich freigesetzt werden. Evtl. hast du diese Option bei Krieg und Terror schon bedacht. Denke auch an Lebensmittelvergiftungen oder Tiere, die dir gefährlich werden können.

Gefahren im persönlichen Bereich

Nicht alles, was uns passieren kann, ist im gesellschaftlichen Sinne eine Katastrophe. Es kann aber für dich ganz persönlich katastrophal sein, und deshalb nehmen wir Risiken im persönlichen Umfeld mit in die Risiko-Analyse auf. Die meisten Menschen haben vor allem Angst davor, dass denen, die sie lieben, etwas passiert und sie damit nicht klar kommen. Auch du selbst kannst krank werden oder einen Unfall haben. Was ist, wenn du nicht mehr arbeiten, i.e. selbst für Einkommen sorgen kannst? Was machst du beruflich? Ist das gefährlich? Hast du ein Hobby, bei dem dir etwas passieren kann? Wie schätzt du dein Risiko ein, Opfer einer Straftat zu werden? Männer denken hier vermutlich an andere Delikte als Frauen.

Relax!

Niemand kann dir die Entscheidung abnehmen, auf welche Risiken du dich wirklich vorbereiten willst. Das ist u.a. abhängig von der Gesamtsituation, dem Vorhandensein oder Fehlen öffentlicher Hilfsstrukturen, deiner Risikobereitschaft oder ob du für andere Menschen Verantwortung trägst. Beginne mit dem, was du selbst für das höchste Risiko hältst oder wovor du am meisten Angst hast. Eine realistische Einschätzung und eine gute Vorbereitung wirken beruhigend und helfen im Ernstfall, die Krise zu bewältigen.

Runterkommen nach der Risiko-Analyse
Meditation zum Runterkommen

Falls du nach deiner Risiko-Analyse unruhig geworden bist und dir jetzt Katastrophenszenarien ausmalst: Das geht vorbei. Es ist so ähnlich wie der sprichwörtliche Medizinstudent, der im 1. Semester auch erst einmal alle Krankheiten selber hat. Mach dir bewusst, wie faszinierend das Zusammenspiel in der Natur und zwischen Natur und Technik normalerweise ist. Wie fantastisch alles funktioniert! Mach einen Spaziergang. Atme tief ein und aus. Achte darauf, wie deine Fußsohlen mit dem Untergrund Kontakt aufnehmen, während du von der Ferse zur Fußspitze abrollst. Schau nach oben in den blauen Himmel. Erfreu dich an den Farben. Hör hin. In diesem Moment ist alles perfekt.

Nächste Woche beginnen wir mit der Vorbereitung auf eine mögliche Krise. Zunächst sorgen wir dafür, dass du auch mal ein paar Tage ohne Lebensmitteleinkauf über die Runden kommst.

Bis dahin, stay safe!

Copyrighthinweise: Beitragsbild: vectorfusionart – stock.adobe.com. Dammbruch: Gunnar Ries – Contaminated Rio Doce Water Flows into the Atlantic NASA Earth Observatory image by Joshua Stevens, using Landsat data from the U.S. Geological Survey. Caption by Adam Voiland. Meditation: Canva.

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