Blick auf die zugefrorene Alster

Der Lebensmittelvorrat

Bevor wir uns damit beschäftigen, warum du unbedingt einen Lebensmittelvorrat anlegen solltest und wie du das klug anfangen kannst: Schau dir bitte jetzt sofort deine Vorräte an und überschlage: Wenn es jetzt anfinge zu schneien, und wenn es aufhört, kommst du nicht mehr raus und du musst in deiner Wohnung bleiben, bis die Rettungsmannschaften bei dir angekommen sind: Wie lange könntest du von dem leben, was sich jetzt gerade an Lebensmitteln in deiner Wohnung befindet? Und wie sieht’s mit Wasser aus? Was ist an Getränken vorhanden? Und ja, der Alkohol zählt mit. Obwohl du Korn vielleicht nicht zum Durst löschen benutzen solltest. Es könnte auch sein, dass du den Hochprozentigen noch zum Desinfizieren brauchst, wenn deine Rohre einfrieren und kein Wasser mehr aus der Leitung kommt.

Und? Wie lange kommst du im Notfall aus?

Die Bandbreite ist immens. Da gibt es natürlich die immer vorbereitete Hausfrau mit dem Vorratskeller, voll bis unters Dach, bei der die Kinder jederzeit mit einer halben Fußballmannschaft aufschlagen können und wo es immer für alle reicht. Da wird auch eine vorübergehende Krise keine großen Probleme aufwerfen, solange der Vorratsraum nicht z.B. durch ein Hochwasser zerstört wird und mit ihm die Vorräte.

Auf dem anderen Ende des Spektrums haben wir Menschen, deren finanzielle Situation so knapp ist, wenn das Gehalt oder andere Leistungen mal einen Tag zu spät kommen, wird es schon eng, übers Wochenende zu kommen. Vorratshaltung für Notfälle? Ha! Ha!

Die meisten von uns sind aber durch die ständige Verfügbarkeit von Nahrung im Normalfall überhaupt nicht mehr daran gewöhnt, intelligente Vorräte anzulegen. Vom Platz in einer Stadtwohnung, wo immer mehr Menschen leben statt auf dem Land, mal ganz zu schweigen. Wir neigen mehr und mehr dazu, zu kaufen, was wir gerade essen wollen. Und was wir nicht essen, werfen wir weg. Eine gute Vorratshaltung ist nicht nur eine sinnvolle Vorsorge für Krisensituationen, sie hilft dir auch, flexibler zu sein und deine frischen Lebensmittel abwechslungsreich zu verarbeiten und so insgesamt weniger Lebensmittel zu verschwenden.

Wie lange sollte der Lebensmittelvorrat halten?

Für welchen Zeitraum du vorsorgen willst, hängt von deiner Risiko-Analyse ab. Bist du (auch jahreszeitlich bedingt) Risiken ausgesetzt, bei denen die Versorgung zusammenbrechen kann, oder sind deine Risiken eher persönlich und haben nur wenig mit der öffentlichen Ordnung zu tun? Wie ist deine Lage hinsichtlich Nachbarschaft, Familie, gibt es Landwirte und / oder Lebensmittelproduzenten in der unmittelbaren Umgebung? Wenn Heiligabend auf einen Sonntag fällt, musst du schon für 3 Tage Lebensmittel im Haus haben. Eine schlimme Grippe, und du bist froh, wenn du eine Woche nicht aus dem Haus musst. O.k., Grippe ist ein blödes Beispiel, weil du da vermutlich eh keinen Hunger hast.

Bierregal Rathserrn Brauherei
Ein gut sortiertes Getränkeregal

Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe empfiehlt, dass jeder Haushalt sich 10-14 Tage lang selbst versorgen können sollte. Länger soll es auch im Katastrophenfall nicht dauern, bis an jedem Ort Hilfe angekommen ist. So lange dauert es ja auch so gut wie nie. Aber stell dir vor, du bist von der Außenwelt abgeschnitten, weißt nicht, wann Hilfe kommt, und dann geht das Bier zur Neige. In einer Krisen-Situation ist man gestresst genug. Genug zu essen und zu trinken im Haus zu haben ist das Geringste, was du für dich selbst tun kannst.

Wenn du bisher keine Vorratshaltung betrieben hast, fang damit an, einen Vorrat für mindestens 3 Tage anzulegen und dehne den Zeitraum deinen Bedürfnissen entsprechend aus. Wenn du jetzt schon eine Woche schaffen würdest, arbeite dich auf 2 Wochen hoch. Fang nicht mit dem Aufbau eines Vorrats für 2 Wochen an, wenn du bisher nur Cracker und Prosecco im Kühlschrank hast. Was übrigens beides gute Bestandteile für einen Vorrat sind!

Wie viel brauche ich wovon?

In meinem nächsten Post werde ich mehr dazu schreiben, wie du deine Vorratsplanung individuell gestalten kannst. Grundsätzlich brauchst du ausreichend Wasser (ca. 2l) und ca. 2.200 Kalorien pro Tag. Die Zahlen können variieren, z.B. ist der Flüssigkeitsbedarf höher, wenn es heiß ist. Ein großer Mensch hat einen höheren Grundumsatz als ein kleinerer und braucht deshalb mehr Kalorien. Bei der Notfallplanung geht es zunächst nur darum: Kalorien und Wasser. Dein Notfallvorrat ist keine Ernährungsempfehlung für die Dauer, sondern soll dich durchhalten lassen, bis du wieder einkaufen gehen kannst oder dich Hilfe erreicht. Daher sind die empfohlenen Lebensmittel für den Notfallvorrat eher hochkalorisch, also mit einer hohen Energiedichte, wie Nudeln, Hülsenfrüchte oder Trockenobst. So brauchst du auch insgesamt weniger Vorrat und weniger Platz.

Auch Lagerfähigkeit spielt eine Rolle. Du willst den Not-Vorrat ja nicht ständig auffuttern und wieder auffüllen müssen. Daher sind Konserven und getrocknete Lebensmittel unsere Favoriten.

Beim Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft findest du einen Vorratskalkulator, der dir für deine Haushaltsgröße passend ausrechnet, welche Lebensmittel du in welchen Mengen vorrätig haben solltest. Du kannst dort sogar eingeben, wie lange dein Vorrat ausreichen soll. Ein wirklich hilfreiches Tool!

Achte auf deine Gesundheit!

Ernährung hat großen Einfluss auf die Gesundheit. Wenn du irgendwelche Krankheiten hast, die eine besondere Ernährung erforderlich machen, dann halte dich nach Möglichkeit auch in einem Notfall an deine Diät. Passe die allgemeinen Empfehlungen für dich entsprechend an. Vermutlich musst du etwas sorgfältiger planen und deinen Vorrat etwas häufiger kontrollieren. Denk daran, dass übermäßiger Stress, wie eine Krisensituation, sich ohnehin ungünstig auf viele Krankheitsverläufe auswirken kann. Sich um seine Ernährung keine Sorgen machen zu müssen, kann ein wichtiger Baustein sein, um die Krise gut zu überstehen. Wenn du Zweifel oder Fragen hast, ob eine Empfehlung für dich passt oder wie du sie für dich anpassen kannst, wende dich immer an deinen behandelnden Arzt!

Hausaufgabe:

Besorg dir beim Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe die Broschüre „Katastrophenalarm“. Darin findest du wichtige Hinweise zur privaten Vorsorge für den Katastrophenfall und eine Checkliste, mit der du in den nächsten Wochen parallel zu dieser Reihe arbeiten kannst.

Viel Spaß beim Rumprobieren, stay safe!

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