Risiko-Analyse Natalie Junge

Gesundheit!

Danke. Oh, diese Woche bin ich aber spät dran. Dabei beschäftigen wir uns mit einem super wichtigen Thema im Rahmen der Krisenvorsorge: deiner Gesundheit. Gesundheitsvorsorge hängt relativ eng mit dem Thema von Woche 5 zusammen, der Hygiene. Wir schauen heute auf folgende drei Aspekte:

  1. Auf den Notfall vorbereitet sein
  2. Im Notfall handlungsfähig sein
  3. Gar nicht erst in eine (gesundheitliche) Notlage kommen

Auf den Notfall vorbereitet sein

Im Auto ist der Verbandskasten vorgeschrieben. Aber wie gut bist du denn zuhause versorgt? Auch außerhalb einer größeren Krise sollte sich in jedem Haushalt eine Hausapotheke befinden. Denn auf plötzlich einsetzende Erkrankungen oder kleinere Verletzungen möchten wir ohne großen Aufwand reagieren können. Bei jeder Krankenkasse bekommst du Empfehlungen, wie eine gute Hausapotheke ausgestattet sein sollte, sowie Tipps zur Lagerung und Sicherung. Beispielhaft habe ich dir hier mal den passenden Artikel der Apotheken-Umschau verlinkt, statt noch eine eigene Liste zu schreiben. Folgendes ist mir zum Thema Hausapotheke besonders wichtig:

Getrennte Aufbewahrung von Verbandsmaterial / Hilfsmitteln und Medikamenten.

Jeder im Haushalt sollte an die Pflaster kommen, auch auf die Gefahr hin, dass die Kinder sich damit dicht-tackern und du alles neu anschaffen musst. Besprich mit den Kindern altersgerecht, was das Material ist, wofür man es braucht und unter welchen Bedingungen sie z.B. die Mullbinden benutzen dürfen. Aber stell sicher, dass alle Medikamente kindersicher weggeschlossen sind. Liegt dein Insulin im Kühlschrank? Natürlich wirst du mit dem zunehmenden Alter der Kinder ihnen mehr und mehr Zugang geben. Dies vor allem, wenn sie selbst Medikamente brauchen und die korrekte Einnahme zuverlässig vornehmen. Aber gerade bei Medikamenten, die lebensgefährliche Wirkungen haben können, gilt: Vorsicht ist besser als Nachsicht.

Mehr ist mehr.

Je nach dem, wie deine Gesundheit bisher ist, ist deine vorhandene Hausapotheke vermutlich ausgestattet. Normalerweise wirst du Mittel gegen die Wehwehchen im Haus haben, die dich regelmäßig plagen. Im Rahmen der Krisenvorsorge möchtest du dein Arsenal eventuell etwas erweitern. Auch wenn du sonst mit einem gesunden Verdauungstrakt gesegnet bist, kann eine Woche aus Vorräten zu leben oder eine Versorgung aus der Großküche unter Umständen Wirkungen haben, die dich sonst nicht plagen. Deshalb: Lieber eine vollständige Hausapotheke, die du nicht benutzt, als bei Bedarf kein Durchfallmittel.

Auf das Verfallsdatum achten.

Anders als bei Lebensmitteln haben Medikamente kein Mindesthaltbarkeitsdatum, sondern ein Verfallsdatum: Danach sind sie nicht mehr sicher zu verwenden. Die Wirkung lässt nach oder verändert sich. Deshalb solltest du gerade Mittel, die du nicht regelmäßig verwendest und daher nachkaufst, einmal im Jahr kontrollieren. Wie du abgelaufene oder nicht mehr benötigte Medikamente sicher entsorgen kannst, erfährst du bei deiner Gemeinde. Nicht jede Apotheke nimmt Medikamente zurück. Aber oft können diese in den Hausmüll. Wobei du dann darauf achten solltest, dass Kinder sie nicht zufällig finden und fälschlicherweise für Süßigkeiten halten können. Mehr Informationen, wie du Medikamente umweltgerecht entsorgen kannst, findest du auch hier.

Deine persönliche Situation bedenken.

Neben den allgemeinen Empfehlungen für die Hausapotheke muss natürlich auch deine individuelle Gesundheit oder Krankheit bedacht werden. In einer Krise kann die Versorgung mal für einige Zeit einbrechen. Oder du bist wegen einer Erkrankung selbst verhindert, dich um deine Versorgung zu kümmern. Deshalb solltest du Medikamente und Hilfsmittel, die du regelmäßig brauchst, auf Vorrat im Haus haben. Lass dir von deinem Arzt mal eine Packung mehr verordnen, damit du auf Notsituationen vorbereitet bist.

Auch persönliche Hilfsmittel, z.B. bei einer häuslichen Pflege, sollten ausreichend vorrätig sein.

Hilfsmittel und Geräte warten.

Stell sicher, dass alle Hilfsmittel, die du möglicherweise brauchst, immer voll einsatzfähig sind. Reparaturen solltest du umgehend erledigen lassen. Akkus uns Ersatzbatterien für Geräte sollten vorrätig und aufgeladen sein. Ein längerer Stromausfall wird sonst leicht lebensbedrohlich, wenn z.B. das Ersatzakku vom Beatmungsgerät eigentlich längst hätte ausgetauscht werden sollen. Solche Katastrophen sind vermeidbar.

Im Notfall handlungsfähig sein

Ist es nicht interessant, dass wir alle für den Führerschein einen Erste-Hilfe-Kurs machen müssen, aber niemand, der bei seinen Eltern auszieht, dazu gezwungen wird? Dabei passieren die meisten Unfälle im Haushalt. Auch Krisen und Katastrophen können alle möglichen Arten von Verletzungen mit sich bringen. Und dann ist dein Einsatz als Ersthelfer gefragt.

Deine Hausaufgabe für diese Woche lautet deshalb:

Frisch deinen Erste-Hilfe-Kurs auf!

Melde dich freiwillig als Ersthelfer im Büro, dann bezahlt das dein Arbeitgeber. Vielleicht stellt er dich sogar dafür frei. Oder reg einen gemeinsamen Kurs mit allen Kolleg*innen an. Das macht zusammen sogar Spaß! Wenn du mit Kindern arbeitest oder Kinder hast, macht ein spezieller Kurs in Erster Hilfe für Kinder Sinn. Erste-Hilfe-Kurse bieten alle großen Rettungsdienste an. Nach Angeboten an deinem Wohnort kannst du jede Suchmaschine befragen.

Ob du einen Kurs gemacht hast, oder nicht: Wenn du an einen Unfallort kommst oder ansonsten hilfebedürftige Menschen antriffst: Hilf! Es ist immer besser, als Stümper sein Bestes zu tun, als darauf zu warten, dass ein Notfallmediziner mit 20 Jahren Erfahrung zufällig vorbeikommt.

Hilfe rufen

Damit einer kommt, der professionell helfen kann, setz einen Notruf unter 112 ab und sei bereit, folgende 5 W-Fragen zu beantworten:

Die 5 W für den richtigen Notruf
Richtig Hilfe rufen mit den 5 W
  • Wo wird Hilfe gebraucht? Adresse oder möglichst genaue Ortsbeschreibung
  • Wer ruft an? Dein Name
  • Was ist passiert? Kurze Schilderung des Geschehens
  • Wie viele sind betroffen? Zahl der verletzten oder erkrankten Personen
  • Welche Art von Verletzungen? Beschreibe möglichst genau, was du wahrnimmst. Auch Gerüche und Geräusche können den Mitarbeitern in der Leitstelle wertvolle Hinweise geben. Niemand verlangt von dir eine korrekte Diagnose.
  • Außerdem: Warte auf Rückfragen. Manchmal hat die Leitstelle noch Fragen oder will z.B. die Adresse noch einmal verifizieren. Leg erst auf, wenn die Leitstelle das Gespräch beendet.

Unterlassene Hilfeleistung ist eine Straftat, die mit bis zu einem Jahr Gefängnis oder einer Geldstrafe geahndet werden kann (StGB §323c).

Prävention ernst nehmen

Gehörst du wie ich zu denen, die „Termin bei Arzt xy machen“ monatelang von einer To-Do-Liste auf die nächste schreiben können? Und das mir, die sich beruflich mit Prävention beschäftigt! Aber zum Arzt gehen wir oft erst, wenn es unbedingt sein muss. Jeder hat doch dieses eine Familienmitglied, das zu sagen pflegt:

Bevor ich zum Arzt gegangen bin, war ich gesund.

Die wichtigste Maßnahme zur Krisenvorsorge im Bereich Gesundheit ist, deine Gesundheit zu erhalten. Und wie das geht, darüber gibt es vermutlich mehr Literatur und Meinungen als zu jedem anderen Thema der Welt. Jeder muss da für sich finden, was passt und sich in den Alltag integrieren lässt. Neben dem Wahrnehmen von Kontroll- und Vorsorgeterminen bei deinen verschiedenen Ärzten möchtest du vielleicht auf folgende Bereiche deines Lebens schauen:

Die Essentials

  • Ernährung: Nichts wirkt sich so schnell so direkt auf dein körperliches Befinden aus wie das, was du ihm zuführst, damit er seine Arbeit machen kann. Traditionelle Heilkunden wie TCM oder Ayurveda passen deshalb auch immer die Ernährung an, bevor sie weitere Heilmaßnahmen verordnen. Probiere aus, was dir gut tut, lass dich gegebenenfalls von einem Profi beraten.
  • Bewegung: Ich persönlich finde es idiotisch, Sport in meinen Plan aufnehmen zu müssen, um meinen Alltag auszugleichen. Aber nicht jeder hat den Luxus, seine Arbeit so abwechslungsreich zu gestalten, dass er den Körper ausreichend und ausreichend vielfältig bewegt. Also schau, was du in deinen täglichen Routinen besser machen kannst, z.B. ein Spaziergang in der Mittagspause oder Meetings im Gehen. Und such dir einen Sport, der noch einen anderen Zweck erfüllt als ‚nur‘ der Gesundheit zu dienen. Mach was, was dir richtig viel Spaß macht oder wo du Leute triffst, die du gut findest.
  • Schlaf: Guter Schlaf ist SO wichtig! Das Gehirn verarbeitet die Eindrücke des Tages, Gelerntes wird einsortiert, der Körper erholt sich. Dir raubt irgendetwas den Schlaf raubt? Stell es ab. Der Partner schnarcht oder klaut deine Decke? Schlaf alleine. Du wälzt dich vor Sorgen unruhig herum? Stell dich deinen Problemen. Wenn du regelmäßig vor der Glotze einschläfst, geh früher ins Bett. Egal, was es ist: Kümmer dich drum!

Und außerdem:

  • Entspannung: Das Leben ist kein Ponyhof, und jeder hat mal Stress. Wichtig ist, den Stress auch wieder abzubauen und regelmäßig zur Ruhe zu kommen. Ob du dafür raus gehst in die Natur, Musik hörst, dich beim Sport auspowerst oder meditieren lernst, ist gar nicht so wichtig. Hauptsache, du fühlst dich wohl damit und tust es regelmäßig.
  • Sinn: Was soll der ganze Mist? Menschen, die religiös sind oder anders für sich eine Antwort auf die Sinnfrage im Leben gefunden haben, sind gesünder, glücklicher und werden schneller wieder gesund. Wenn wir anderen Menschen helfen oder zur Lösung eines wichtigen Problems beitragen, gibt uns das ein gutes Gefühl. Und das kann dazu beitragen, dass wir gesünder bleiben, andere Entscheidungen treffen, weniger Krisen verursachen oder tolerieren. Es klingt zwar vielleicht etwas seltsam, aber ein gutes Leben zu führen ist für mich ein ganz wichtiger Teil der persönlichen Katastrophenvorsorge.
  • Außerdem: Mindset, Energielevel, Beziehungen, Arbeitsplatz, finanzielle Situation, Auszeiten, Nachrichtenkonsum, Social Media Feed, Nachbarschaft, Lärmbelastung, Schadstoffbelastung, etc. pp.

Wie immer gilt: Starte, wo du bist und fang mit einer Sache an.

Hab Spaß dabei und stay safe.

Copyrighthinweise: Beitragsbild: vectorfusionart – stock.adobe.com.  Grafik: Canva.

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