Kommunikation im Notfall

Kommunikation im Notfall

Eine Krise oder Katastrophe kann uns jederzeit und überall treffen. Wer gerade bei uns ist und wer nicht, darauf haben wir keinen Einfluss. Entsprechen wichtig ist es, dass wir uns Gedanken machen, wie unsere Kommunikation im Notfall ablaufen kann. Wie erreichen wir Familienmitglieder? Woher bekommen wir zuverlässige Informationen?

Die Tücken der Technik

Wir sind heute alle mobil erreichbar. Ständig. Allerdings sind wir dabei auf zwei Dinge angewiesen: aufgeladene Akkus und ein funktionierendes Internet. Wenn unsere Festnetzanschlüsse heute auf Voice over IP umgestellt werden, sofern wir überhaupt noch Festnetzanschlüsse haben, bedeutet das, dass das Telefon ohne Strom nicht funktioniert. Auch technische Pannen oder ein gezielter Hacker-Angriff auf das Telekommunikationsnetz kann es schnell unmöglich machen, Familienmitglieder zu erreichen, die sich gerade woanders aufhalten als wir.

Entsprechend sollte unsere Krisenvorsorge Überlegungen dazu beinhalten, wie wir uns untereinander erreichen können.

Akkus aufladen

Es ist einigermaßen unrealistisch, dass alle Akkus jederzeit voll aufgeladen sind. Aber du kannst zusehen, dass nicht Handy und Laptop gleichzeitig leer sind. Sorge dafür, dass mindestens ein Gerät im Haushalt voll aufgeladen ist. Geladene Ersatz-Akkus und solarbetriebene Ladegeräte können helfen, auch einen längeren Stromausfall zu überstehen.

Akkus schonen

Bei einem Stromausfall, der länger dauert, solltest du alle web-basierten Anwendungen auf deinem Smartphone ausschalten, um den Akku zu schonen. Schreibe SMS statt WhattsApp-Nachrichten oder statt zu telefonieren. Sorge für einen entsprechenden Tarif, damit die Kommunikation nicht am Datenlimit deines Handyvertrags scheitert. Die Technologie für SMS funktioniert auch dann noch, wenn das Internet oder das Telefonnetz schon zusammengebrochen sind.

Vorausplanen

Wenn ein Stromausfall wirklich lange andauert, kannst du dein Telefon auch nur zu bestimmten Zeiten einschalten. Sprich mit deiner Familie z.B. ab, dass ihr immer um halb eure Handys einschaltet und dann wieder aus. Mach das nicht, wenn du Probleme hast, dir deine PIN zu merken!

Treffpunkt vereinbaren

Zur Kommunikation im Notfall gehört es, dass du mit deiner Familie darüber sprichst, wie ihr euch in einem Notfall verhaltet, wenn ihr nicht am selben Ort seid. Grundsätzlich ist es vermutlich das Sicherste, zu bleiben, wo man gerade ist. Es sei denn, ihr werdet evakuiert. Aber dann möchtet ihr voneinander wissen, wo ihr seid und dass ihr sicher seid.

Sobald ihr merkt, dass etwas los ist, sendet euch eine Nachricht mit eurem jeweiligen Aufenthaltsort und ob ihr vorerst dableibt. Fahr nicht los, und sammle deine Kinder ein! Wenn das jeder macht, bricht in Nullkommanichts der Verkehr zusammen und Helfer haben Probleme, an den Krisenherd zu gelangen. Außerdem sind deine Kinder im Haus von Freunden oder einem Einkaufszentrum vermutlich sicherer als auf der Straße.

Sobald es gefahrlos möglich ist, sollten alle nach Hause kommen. Natürlich könnt ihr auch einen anderen Treffpunkt vereinbaren, z.B. den Arbeitsplatz eines Familienmitglieds, wenn dieser logistisch günstiger liegt als euer Wohnhaus. Dieser Treffpunkt sollte der Ort sein, an den alle kommen, sollte die Kommunikation vollständig zusammenbrechen, daher muss er gut erreichbar sein. Und er muss geeignet sein, dort Vorräte für den Notfall anzulegen. Auch im Schreibtisch kannst du für einen oder zwei Tage ausreichend Wasser und Müsliriegel bunkern.

Informiert bleiben

Aber was ist denn eigentlich los? Wie bekommst du zuverlässige Informationen über die Krise und was zu tun ist? Kommunikation bedeutet nicht nur, andere zu erreichen. Du musst auch erreichbar sein.

Das wichtigste Gerät, das du brauchst, ist ein batteriebetriebenes Radio und ausreichend passende Batterien. Auch das Autoradio geht. Batterien halten nicht ewig, achte darauf, dass du deinen Vorrat regelmäßig prüfst und aktualisierst. Im Gegensatz zu Internet und Fernsehen funktioniert das Radio auch bei einem Stromausfall. Es sei denn, es sind auch alle Sender betroffen, aber wie wahrscheinlich ist so ein Szenario für dich?

Es gibt mittlerweile auch Warnapps. NINA ist die App des Bundes, über die das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe über Wetterwarnungen und andere Gefahrenlagen informiert. Definitiv sinnvoll. Was mich daran erinnert, dass ich NINA endlich mal installieren könnte. – So, erledigt. Denke daran, dass auch diese App nichts mehr nützt, wenn das Netz zusammengebrochen ist. Du brauchst ein Radio!

Oder einen Funker im Nachbarhaus. Die Reichweite ist zwar nicht so hoch, aber wenn mehr Leute dieses Hobby pflegen, kann man auch über die miteinander vernetzten Funker Informationen austauschen und erhalten.

Achte darauf, dass die Informationen, nach denen du dich richtest, aus zuverlässiger Quelle stammen. Twitter ist super, wenn man von weit weg zugucken will, wie sich Leute in Panik reden. Oder um schnell zu helfen, wie das nach den Anschlägen in Paris geschehen ist, als über die sozialen Netzwerke Übernachtungsmöglichkeiten für Gestrandete gefunden wurden. Aber wenn es darum geht, ob du evakuiert werden musst oder so, dann höre auf die offiziellen Stellen wie die Polizei.

Informiere dich vorab

Wir sind es heute so gewohnt, dass wir jederzeit jede Information aus dem Internet abrufen können. Wir können uns gar nicht mehr vorstellen, wie das ist, wenn das mal nicht geht. Denk daran, dass du im Notfall eventuell keinen Zugang hast zu Fragen wie: Wo ist das nächste Krankenhaus? Wie komme ich nach Bielefeld, wo Oma wohnt? Welche Hilfsdienste sind für meine Region zuständig? Was sollte man nochmal machen, wenn man mit giftigen Chemikalien in Berührung gekommen ist? Was kann ich zubereiten, wenn mein Vorrat aus einem Glas Bambussprossen und einer halben Tube Tomatenmark besteht? Kann man aus Kerzen und einem Blumentopf eine Heizung bauen? (Ich übernehme keine Haftung dafür, wenn ihr das ausprobiert und euch die Bude abfackelt!)

Vorsorge ist besser als Nachsorge. Mit wenigen Maßnahmen erhöhst du deine und die Sicherheit deiner Familie schon beträchtlich. Zum Schluss noch das Allerwichtigste, wenn es um Kommunikation im Notfall geht: Keine Panik! Sprich mit allen Familienmitgliedern in ruhigem Ton, vor allem mit Kindern. Atme tief ein und aus, bevor du jemanden anrufst. Je ruhiger du bleibst, desto besser bist du auch zu verstehen und es kommt nicht zu Missverständnissen. Außerdem kannst du dann besser denken. Und das entscheidet mit darüber, wie du durch die Krise kommst.

Keep calm and carry a towel.

Douglas Adams

Ein Kommentar

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.